Die Marktpreisdatenbank (MPDB) – Das Fundament datengetriebener Energieprozesse.
29. Januar 2026
Eines der Highlights von BelVis+ PFM ist die neue Marktpreisdatenbank. Wie sie Anwendern eine neue Freiheit im Umgang mit Marktdaten ermöglicht, erläutern Produktmanagerin Alla Prokhorova und Bid Manager Rouven Voß im Interview.

Was genau ist die Marktpreisdatenbank (MPDB) und welche Idee steckt dahinter?
Alla Prokhorova: Die MPDB ist die zentrale Drehscheibe für Preis‑ und Marktdaten im Unternehmen – sie konsolidiert alle relevanten Informationen in einer einzigen, verlässlichen Datenbasis, die fachlich entlang der typischen Prozesse im Energiemarkt modelliert ist. Damit vermeiden wir Mehrfachhaltung, Inkonsistenzen und Medienbrüche und schaffen eine „Single Source of Truth“ für Portfolio‑, Handels‑, Risikomanagement‑ und Reporting‑Prozesse – innerhalb und außerhalb der BelVis+‑Welt. Das Designziel war ein transparentes, einfach integrierbares Marktpreis‑Managementsystem, das Preise, Quoten sowie EoD‑ und Live‑PFCs für relevante Energiemärkte handhabbar macht.
Rouven Voß: Architektonisch ist die MPDB eine API‑getriebene, automatisierungsstarke Datenplattform. Sie importiert, plausibilisiert, versioniert und verschneidet Zeitreihen; sie shiftet PFCs, überwacht Jobs und exportiert Daten in angeschlossene Systeme. Wichtig ist die offene Rolle der MPDB: Sie steht als zentrale Unternehmensdatenbank bereit. Dabei kann das BelVis+ PFM „nur“ einer von mehreren Datenabnehmern der MPDB sein – ebenso wie SAP, Optimierungssysteme, BI-Tools, Marktmodelle in Matlab oder weitere Zielsysteme.
Welche USPs der MPDB seht Ihr als besonders entscheidend für Kunden?
Prokhorova: Unsere Kunden heben immer wieder dieselben Punkte hervor:
- Zentralisierte, revisionssichere Datenbasis: Alles wird historisiert, versioniert und nachvollziehbar gespeichert. Keine „Excel‑Vorgeschichte“, keine Unsicherheiten.
- Fachliche Logik ist bereits eingebaut: Produkte, Märkte, Handelskalender, Zeitreihentypen – das System versteht energetische Zusammenhänge, anstatt nur Zahlen zu speichern.
- Automatisierung über den gesamten Prozess: Import, PFC‑Shifting, Plausibilisierung, Ersatzwertbildung, Versionierung – alles ist automatisierbar.
- Dank Standardschnittstellen zu allen wichtigen Datenquellen kann die MPDB in wenigen Stunden eingerichtet werden und ihren Dienst aufnehmen
- Leichte Erweiterbarkeit: Weitere Datenquellen oder hausinterne Systeme können einfach per Python-Skripte angebunden werden, sowohl für den Datenimport als auch für den Datenexport
Voß: Besonders die Anwenderfreundlichkeit der MPDB begeistert mich und meine Kunden: Neben all der tollen API-Technik zum Im- und Export von Daten gibt es auch die Möglichkeit für jeden Anwender, beliebige Daten schnell und einfach als csv-Datei zu exportieren und so für Excel oder andere Zielsysteme bereitzustellen. Klingt nach „quick & dirty“ – aber im Arbeitsalltag braucht es manchmal genau das.
Wie laufen Importe – und warum kombinieren Sie API und Skripte?
Prokhorova: Unser Standardweg ist die API‑basierte Anbindung an Datenquellen. Gleichzeitig bieten wir standardisierte und individuelle Import‑Skripte (z. B. für Futures, Spot und PFCs), die sich über die UI konfigurieren und automatisieren lassen. Das hat einen Grund: Formate – etwa bei EEX/EPEX – ändern sich gelegentlich. Mit Skripten bleiben Kunden vom Release‑Zyklus der MPDB entkoppelt und können Formatabweichungen kurzfristig abfangen. MPDB enthält aber auch Standardskripte, die nicht angepasst werden müssen, da sie es dem Anwender ermöglichen, das erwünschte Import- oder Exportformat über die GUI selbst zu konfigurieren.
Voß: Operativ bedeutet das: Zeit‑ und ereignis-getriggerte Prozesse, transparente Activity‑Logs mit den Ergebnissen jedes Schritts und Dokumenten‑Service für exportierte oder heruntergeladene Daten inkl. (Re‑)Import. So ist der gesamte Datenfluss revisionssicher und nachvollziehbar – auch im Audit.
Was passiert, wenn Daten fehlerhaft sind – z. B. falsche Settlement‑Preise?
Prokhorova: In der MPDB lassen sich Dokumente/Datenfiles gezielt suchen, editieren und freigeben; anschließend stößt man die Automation erneut an. Dieser Korrekturweg ist mit wenigen Klicks erledigt. Der Anwender kann einen automatisierten Export der relevanten Marktdaten einrichten, der ihm regelmäßig eine Übersicht der importierten Quoten zwecks Kontrolle und Korrektur per E-Mail sendet.
Voß: Zusätzlich greifen Plausibilisierungen und – falls nötig – Ersatzwertbildungen automatisch. Der Anwender kann wählen, ob er eine neue Version der Zeitreihe erzeugt oder die Originalzeitreihe überschreibt. Für PFCs gibt es erweiterte Checks (z. B. Referenztagsvergleich); jeder Lauf erzeugt einen PFC‑Plausibilisierungsstatus, der bei der Freigabe berücksichtigt wird.
Welche Rolle spielen Shifting‑Prozesse und PFC‑Aufschläge?
Prokhorova: Das PFC‑Shifting ermöglicht, historische Preisverläufe auf aktuelle Marktverhältnisse zu übertragen – ein essenzielles Werkzeug für Händler, Portfoliomanager und Pricing‑Analysten. In einem dynamischen Marktumfeld ist die PFC von gestern oder auch heute früh so oder so veraltet. Wenn man diese PFC dann alle fünf Minuten entsprechend der Realtime-Preise shiftet und dem Vertrieb oder dem Risikomanagement zur Verfügung stellt, ist man einfach dichter am Markt und hat eine klarere Bewertung bzw. fairere Preise.
Voß: PFC‑Aufschläge ergänzen diese Logik – man kann Aufschläge auf verschiedene Zeitsegmente setzen – egal ob fix, prozentual oder mithilfe der vordefinierten und versionierten Aufschlagszeitreihen. Beides zusammen macht die MPDB zu einem echten Pricing‑Baustein für viele Kunden.
Wie arbeiten die Anwender mit der Marktpreisdatenbank?
Prokhorova: Das Herzstück ist ein sehr übersichtliches konfigurierbares Web‑Dashboard. Hier kann man die Importe überwachen oder verschiedene Preisverläufe visualisieren.
Alle Prozesse werden vollständig auditierbar dokumentiert: Im „Activity Log“ sieht man jeden automatisierten Schritt – Importe, Plausibilisierung, Shifting, Ersatzberechnungen, Exporte.
Voß: Die MPDB ist ein offenes System, das einfach per REST in Data Lakes oder BI-Tools integriert werden kann oder per Python-Skripte konfiguriert werden kann. Damit ist die MPDB offen für alle Unternehmensbereiche – egal welche Software sie einsetzen. Die Integration ist extrem flexibel.
Was ist Eure persönliche Lieblingsfunktion?
Prokhorova: Für mich ganz klar: die vereinte Sicht auf alle Versionen einer PFC – mit Status, Historie, Plausibilisierung, Freigaben und Kurvenvergleichen. So etwas wünscht man sich, wenn man viele Jahre mit Excel‑PFCs gearbeitet hat.
Voß: Für mich ist es der Automatisierungs‑Stack: Die Tatsache, dass ein Kunde 20.000 Zeitreihen pro Tag importieren, plausibilisieren und verteilen kann ohne manuell eingreifen zu müssen, zeigt, wie mächtig dieses Modul geworden ist.
Mehr über BelVis+ PFM erfahren