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Das BelVis+ Scheduling Cockpit im Fakten-Check.

28. Januar 2026

Das komplett neu entwickelte BelVis+ PFM kommt mit einem eigenständigen Fahrplan-Cockpit. Was seine Stärken sind und wie es den Anwendern im Tagesgeschäft nutzt, erläutern Steffen Homann (Bereichsleiter Trade) und Maik Köppen (Head of Bid Management) bei KISTERS, im Interview.

Das neue Scheduling Cockpit reduziert die Komplexität der Terminplanung radikal – mit bis zu 50 % weniger Aufwand.

Was ist das Scheduling Cockpit in BelVis+ PFM und welche Rolle spielt es im Tagesgeschäft?

Maik Köppen: Das Scheduling Cockpit ist das zentrale Werkzeug für alle operativen Aufgaben im Fahrplan- und Nominierungsmanagement. Seine grundsätzliche Idee ist, sämtliche Aufgaben, Datenflüsse und Marktmeldungen in einer einzigen Oberfläche zusammenzuführen und die Komplexität des Scheduling-Alltags radikal zu reduzieren.

Wir ermöglichen eine integrierte Sicht auf Nominierungen, Fahrpläne, Rückmeldungen, Marktpartner, Fristen und Abweichungen. Diese klare zentrale Sicht – kombiniert mit einer modernen Nutzeroberfläche und hohen Automatisierungsgraden – reduziert manuelle Tätigkeiten erheblich und schafft eine Transparenz, die im Energiemarkt, gerade im Intraday oder bei komplexen Bilanzkreisstrukturen, entscheidend ist.

Steffen Homann: Man muss ganz klar sagen: Fahrplanmanagement ist kein glamouröser Prozess — es ist ein „Pflichtprozess“, womit man kein Geld verdient, der aber sehr viel kosten kann, wenn er schiefgeht. Fehler können zu Ausgleichsenergiekosten oder Vertragsverletzungen führen, und kosten in jedem Fall Arbeit und Abstimmungsaufwand. Deshalb muss der gesamte Prozess so robust, automatisiert und belastbar wie möglich sein.

Für uns war entscheidend, eine Lösung zu schaffen, die nicht nur technisch modern ist, sondern vor allem im Alltag der Anwender funktioniert — im Stress des Intradays, am Wochenende, im Bereitschaftsdienst, unter Zeitdruck. Genau das leistet unser web-basiertes Cockpit.

Welchen Reifegrad hat das System heute?

Homann: Das Scheduling Cockpit befindet sich bei knapp 100 Kunden im täglichen produktiven Einsatz. Diese Kunden repräsentieren eine große Vielfalt an Rollen: Energiehandelsunternehmen, Stadtwerke, internationale Lieferanten, Bilanzkreisverantwortliche, Direktvermarkter, Großindustrie und Redispatch‑Akteure. Diese Vielfalt sorgt für ein sehr breites Spektrum an realen Use‑Cases und Spezialprozessen.

Durch diesen intensiven Praxiseinsatz konnten wir das System in den vergangenen Jahren extrem robust machen. Viele Optimierungen stammen direkt aus Produktionsszenarien unserer Kunden — also aus echten Problemen, Engpässen oder Abläufen.

Welche zentralen Vorteile bietet das Scheduling Cockpit im Alltag der Anwender?

Köppen: Der erste große Vorteil ist die konsequente Automatisierung. Das Cockpit übernimmt die zeitgesteuerte Erstellung der Fahrpläne und Nominierungen, automatisiert den kontinuierlichen Versand, verarbeitet Rückmeldungen und erkennt Abweichungen. Hinzu kommt die klare, moderne Benutzeroberfläche. Mit Dashboards, Statusübersichten und klar visualisierten Strukturen verstehen Anwender sofort, was der Status quo ist, welche Aktivitäten anstehen und wo Probleme aufgetreten sind.

Homann: Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist der Fokus auf Prozesssicherheit. Das Cockpit verhindert, dass Probleme entstehen, die man später teuer bezahlen muss. Es überwacht automatisch Fristen, erkennt unplausible Werte, führt Validierungen durch und liefert Warnungen oder Eskalationen im richtigen Moment.

Es sorgt außerdem dafür, dass der Fahrplanmanagement-Prozess, der eigentlich keine Wertschöpfung erzielt, möglichst wenig Arbeitszeit bindet. Weniger manuelle Eingriffe bedeuten: mehr Kapazitäten für Handel, Portfoliooptimierung und Strategiethemen.

Wie leistungsfähig ist das Scheduling Cockpit?

Köppen: Von Anfang an war Performance ein zentrales Entwicklungsziel. Plan‑ und Nominierungsprozesse müssen schnell sein – besonders im Intraday, wo jede Sekunde zählt. Das Cockpit berechnet einen vollständigen Fahrplan für einen Bilanzkreis in weniger als drei Sekunden, inklusive Validierung, Strukturierung und automatischem Bilanzkreisausgleich.

Homann: Der entscheidende Punkt: Die Berechnung ist vollständig parallelisiert. Das bedeutet: Auch 100 Fahrpläne werden innerhalb von unter einer Minute erzeugt und versendet. Performance ist insbesondere im Intradayhandel ein echter Wettbewerbsvorteil. Wenn man bis zur letzten Minute handeln kann, hat man größere Chancen als Unternehmen, die bereits fünf Minuten vor Gate-Closure die Fahrplanerzeugung starten müssen.

Wie sieht es mit Ausfallsicherheit und Update‑Stabilität aus?

Köppen: BelVis+ PFM basiert auf einer Kubernetes‑gestützten Microservice‑Architektur, die dafür sorgt, dass einzelne Komponenten unabhängig voneinander skaliert, überwacht und wiederhergestellt werden können. Fällt ein Node aus, übernimmt automatisch ein anderer. Wenn ein einzelner Service hakt, wird er im Hintergrund automatisch neu gestartet, ohne dass der Anwender etwas merkt. Diese Selbstheilungsmechanismen sind im Markt ein großer Unterschied gegenüber klassischen monolithischen Systemen.

Homann: Auch Updates sind extrem schnell. Da nur der betroffene Service aktualisiert wird, beträgt die tatsächliche Downtime oft weniger als 10 Sekunden. Für die Anwender fühlt es sich fast wie „Zero‑Downtime“ an.

Das bedeutet: keine nächtlichen Wartungsfenster, keine Unterbrechungen des Fahrplanprozesses, und keine Ausfallrisiken.

Welche Märkte und Prozesse deckt das Scheduling Cockpit ab?

Köppen: Das Cockpit deckt nahezu alle relevanten europäischen Märkte ab: Im Bereich Gas sind das THE und TTF, im Bereich Strom Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Niederlande, Vereinigtes Königreich und Frankreich. Dazu kommen Spezialprozesse wie ERRP, GLDPM, Speicher‑ und Transportnominierungen sowie die Kontrahentennominierung.

Damit unterstützt das Cockpit die komplette Bandbreite moderner Scheduling‑Anforderungen.

Homann: Ein weiterer Vorteil liegt in der breiten Formatunterstützung: ESS, CIM, Edigas/XML, GLDPM, ELIA‑XML, DELFOR und viele mehr. Wir decken faktisch alles ab, was in Westeuropa relevant ist — und das in einer Struktur, die sich schnell erweitern lässt, wenn neue Anforderungen kommen.

Wie unterstützt das Cockpit die Fehleranalyse und Überwachung?

Köppen: Das Cockpit führt eine regelbasierte Analyse aller Rückmeldungen durch und erkennt automatisch, wo Abweichungen, inkonsistente Zeitreihen oder fehlende Werte auftreten. Zusätzlich bietet das Scheduling Cockpit ein umfassendes Frühwarnsystem. Das dient der Überwachung von offenen Positionen, führt Konsistenz- und Syntaxprüfungen durch, und überwacht konfigurierbare Schwellwerte für einzelne Fahrplanzeitreihen (Stichwort Deklarationslisten).

Bei Fehlern meldet sich das System proaktiv über die integrierte Alarmierung oder automatische per E‑Mail‑Benachrichtigung.

Was unterscheidet BelVis+ PFM im Bereich Format‑Anpassungen von anderen Systemen?

Homann: Dieses Thema ist eines unserer wichtigsten Alleinstellungsmerkmale. Der Markt ist nicht standardisiert. Ja, es gibt Vorgaben — aber praktisch jeder Marktpartner interpretiert sie etwas anders. Während andere Systeme solche Anpassungen nur durch den Hersteller oder die IT ermöglichen, können Anwender im Scheduling Cockpit selbst die Formatstrukturen anpassen und XML‑Knoten ergänzen oder entfernen oder EDIFACT‑Segmente anpassen oder neue Felder hinzufügen. Damit kann man komplette Formatvarianten erstellen und das ohne Programmierung, ohne Code, ohne Release. Das bedeutet: volle Flexibilität direkt beim Anwender — und das spart vielen Kunden Tage oder sogar Wochen an Wartezeit.

Welche Vorteile ergeben sich konkret im Tagesprozess?

Köppen: Das Cockpit nimmt den Anwendern einen Großteil der operativen Last ab. Viele Prozesse laufen im Hintergrund automatisch durch. Das schafft Sicherheit und entlastet die Teams enorm — besonders in Zeiten hoher Marktkomplexität.

Homann: Viele Kunden berichten, dass sie ihren täglichen Aufwand im Scheduling um bis zu 50 % reduzieren konnten — bei gleichzeitig höherer Prozessqualität. Das ist ein enormer Produktivitätsgewinn und einer der Hauptgründe, warum das Scheduling Cockpit so hohe Akzeptanz in den Teams hat.

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